Die amerikanische Kultur: Was ist ‘Flakiness’?

0

Wer einmal länger als ein paar Wochen in den USA lebt, kann die amerikanische Kultur mit all seinen Vor- und Nachteilen miterleben. Ein Urlaub reicht meist nicht. Auf Reisen ist es schwer tiefer einzutauchen, so erlebt man die Amerikaner dafür von ihrer Schokoladenseite: Ein fröhliches Volk mit einer durchwegs freundlichen Grundeinstellung.

Amerikanische Kultur: Was ist ‘flaky’?

Einen umfangreichen Überblick über diese Unterschiede und auf was man sich als Deutscher einstellen sollte, findet ihr hier. Ich möchte in diesem Artikel über eine Charaktereigenschaft sprechen, mit der ich und andere Europäer sehr oft konfrontiert wurden in Kalifornien – ohne wirklich zu wissen, wie man damit umgehen soll. Im Englischen nennt man es ‘flaky’ oder ‘Flakiness’, und es beschreibt ein Verhaltensmuster bei dem im Gespräch mit anderen viele Zusagen gemacht werden (z.B. “Ja, ich komme zu deiner Party”), diese dann aber nicht eingehalten werden. Und das in großem Stile, so dass die beste deutsche Übersetzung wohl ‘Unzuverlässigkeit’ wäre. Aber auch diese Beschreibung trifft es nicht genau, da es bei vielen Menschen in Südkalifornien zum Alltag gehört. Man sagt fast automatisch allen Einladungen zu, erscheint dann aber nur ganz selten.

Für die meisten Europäer ist dieses Verhalten am Anfang irritierend. Kommt man von der deutschen Pünktlichkeit in eine Gesellschaft wie in Südkalifornien, ist die Umstellung auf die amerikanische Kultur in diesem Fall nicht einfach. Erst mit der Zeit lernt man damit umzugehen und es für die Zukunft richtig einzuschätzen. Der bekannte Schriftsteller und Entrepreneur Derek Sivers zog vor vielen Jahren nach Los Angeles und beschrieb die Erfahrung mit ‘Flakiness’ besser als ich es je könnte:

Not just LA but California is the most optimistic place on earth. The side-effects of this can confuse outsiders. When you say, “Will you come to my event?” or, “Want to help with this project?” – they will almost always say yes, full of enthusiasm, and actually 100% sincere, fully intending to be there, to help, whatever. They honestly and optimistically think that they will be there and do it. They have the best of intentions. But when it actually comes to that time, and they’ve optimistically said “yes!” to a dozen other things too, or perhaps they’re just nestled in the comfort of their California home, then… well… they reluctantly “flake” – and won’t follow through. Don’t get bitter and write them off as fake, or backstabbers. Just understand that it’s a side-effect of sincere optimism, and adjust your expectations accordingly.

Es wichtig zu wissen, warum San Diegans in den Augen vieler Europäer unzuverlässig erscheinen. “They have the best of intentions” – die meisten haben fest vor ihrer Zusage auch nachzukommen. Ist es dann aber soweit, hat man in Südkalifornien so viele Optionen seine freie Zeit zu verbringen, wie an wohl keinem anderem Punkt der Erde. Und da sich das Leben in San Diego meist draußen abspielt, ist es nicht verwunderlich ,wenn manche schlussendlich lieber mal auf der Couch bleiben, anstatt zum Event zu kommen.

Es hat einige Zeit gedauert, bis ich dieses Verhalten persönlich richtig einschätzen konnte. Heute weiß ich, dass ich Freunde lieber nochmal erinnere, sollte es wirklich wichtig sein.

 

 

Share.